ElektroG: Gut gemeint, katastrophal umgesetzt
Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) setzt die EU-Richtlinie 2012/19/EU (WEEE – Waste Electrical and Electronic Equipment) in Deutschland um. Ziel ist es, Elektro-Altgeräte umweltgerecht zurückzunehmen, Schadstoffe zu vermeiden und wertvolle Rohstoffe zu recyceln. Klingt sinnvoll – wäre da nicht die typisch deutsche Umsetzung.
Was das Gesetz fordert
Registrierungspflicht: Hersteller und Importeure müssen sich bei der Stiftung EAR (Elektro-Altgeräte Register) eintragen.
Kennzeichnungspflicht: Alle Geräte benötigen das Symbol der durchgestrichenen Mülltonne.
Berichtspflicht: Regelmäßige Meldungen über in Verkehr gebrachte, zurückgenommene und verwertete Geräte.
Garantiepflicht: Hinterlegung einer finanziellen Sicherheit, z. B. per Bankgarantie – mit minutiöser Formalienprüfung.
Bürokratie in Reinform
Seit über zehn Jahren schlagen wir uns – wie auch andere deutsche Hersteller – mit der Stiftung EAR und dem UBA (Umweltbundesamt) herum. Von Anfang an hakte es:
Es dauerte Monate, bis Meldungen überhaupt abgegeben werden konnten.
Die Garantiesumme musste unter absurd komplizierten Bedingungen hinterlegt werden – ein einziges falsch gesetztes Wort in der Bankgarantie, und alles war hinfällig.
Nach einer Firmenumbenennung funktionierte die Meldung gar nicht mehr. Acht Monate lang versuchten wir vergeblich, per Mail Kontakt mit der EAR aufzunehmen.
Als Lösung schlugen wir vor: alte Anmeldung kündigen, neue starten. Ergebnis? Ein Bußgeldbescheid vom UBA: Wir hätten Geräte ohne Registrierung in Umlauf gebracht. Kommunikation zwischen EAR und UBA? Fehlanzeige. 18 Monate später folgte der erste Bescheid: 12 Seiten Papier – für nicht einmal 60 Euro.
Österreich als positives Gegenbeispiel
In Österreich läuft es über die ARA erheblich einfacher. Dort konnten wir für unsere Größenordnung eine Pauschale zahlen – inzwischen sogar 0,00 Euro. Klar geregelt, schnell erledigt.
Warum so kompliziert, Deutschland?
Die eigentliche Frage lautet: Warum bauen wir Systeme, die mehr Ressourcen fressen, als sie schützen? Wer prüft überhaupt die Richtigkeit der abgegebenen Daten? Und warum darf sich ein kleines Unternehmen wie unseres eher im Verwaltungsdschungel verlieren als das tun, was wir am besten können: entwickeln, produzieren, verkaufen und reparieren?
Meine Meinung dazu
Der Ansatz, Umwelt und Ressourcen zu schützen, ist richtig und wichtig. Doch die deutsche Umsetzung ist ein Bürokratiemonster erster Güte – ineffizient, überkomplex und für kleine Unternehmen kaum zumutbar.
Große Player mag man so sinnvoll kontrollieren können, für kleine und mittelständische Firmen braucht es aber dringend Freibeträge oder vereinfachte Verfahren. Sonst blockieren wir Innovation und verschwenden genau die Ressourcen, die wir eigentlich bewahren wollen.

